Armut & Krankheit

Wie soziale Bedingungen Gesundheit zerstören – und wie wir den Kreislauf durchbrechen

Armut ist einer der stärksten Risikofaktoren für Krankheit. Menschen mit wenig Ressourcen werden häufiger krank, erholen sich schlechter und haben geringere Chancen auf Prävention. Gleichzeitig belastet Armut das Gesundheitssystem massiv: Die Kosten steigen, während die Beitragseinnahmen sinken. Der Solidarfonds der Krankenkassen muss jedes Jahr mit Milliarden aus Steuermitteln gestützt werden.

Armut macht krank – und Krankheit macht arm. Unser Projekt Armut & Krankheit entwickelt Modelle, die diesen Kreislauf durchbrechen und Gesundheit dort stärken, wo sie entsteht: im Alltag, in Bildungseinrichtungen, im Sozialraum und in kommunalen Strukturen.

Warum dieses Projekt notwendig ist

Die soziale Schere in Deutschland geht weiter auseinander. Armut ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Sie führt zu schlechteren Lebensbedingungen, höherem Krankheitsrisiko und geringerer Lebenserwartung. Gleichzeitig steigen die Kosten für das Gesundheitssystem dramatisch.

Ein System, das erst reagiert, wenn Menschen krank werden, kann Armut nicht ausgleichen. Es verstärkt sie.

1. Armut macht krank

Armut wirkt auf mehreren Ebenen gleichzeitig – materiell, körperlich, psychisch und sozial.

Materielle Entbehrungen

Menschen in Armut können grundlegende Bedürfnisse oft nicht ausreichend decken:

  • gesunde Ernährung
  • angemessene Kleidung
  • stabile Wohnverhältnisse
  • Mobilität
  • digitale Teilhabe
  • Freizeit und Erholung
  • Bildung

Wenn diese Grundbedürfnisse fehlen, steigt das Risiko für Erkrankungen erheblich.

Schlechte Lebensbedingungen

Armut bedeutet häufig:

  • beengtes oder unsicheres Wohnen
  • mangelnde Hygiene- und Sanitärstandards
  • unzureichende medizinische Versorgung
  • Mangelernährung
  • fehlende Gesundheitsangebote im Umfeld

Diese Bedingungen begünstigen Infektionen, chronische Erkrankungen und psychische Belastungen.

Psychische Belastungen

Armut erzeugt dauerhaften Stress:

  • Existenzängste
  • Unsicherheit
  • Depressionen
  • Hoffnungslosigkeit
  • geringes Selbstwertgefühl

Chronischer Stress schwächt das Immunsystem und erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Gesundheitsschädliches Verhalten

Nicht aus „Fehlverhalten“, sondern weil Stress, fehlende Ressourcen und mangelnde Alternativen das Verhalten prägen:

  • Rauchen
  • Alkoholkonsum
  • ungesunde Ernährung
  • Bewegungsmangel

Folgen

Laut Robert-Koch-Institut liegt die Lebenserwartung von Frauen in Armut acht Jahre unter der von Frauen mit höheren Einkommen. Bei Männern beträgt der Unterschied elf Jahre.

2. Krankheit kann arm machen

Der Zusammenhang wirkt auch in die andere Richtung: Krankheit kann selbst Armut erzeugen.

Hohe Eigenanteile und Zuzahlungen

Trotz Versicherung müssen viele Kosten selbst getragen werden:

  • Medikamente
  • Zuzahlungen für Krankenhausaufenthalte
  • Therapien
  • Hilfsmittel

Für Menschen mit geringem Einkommen sind diese Ausgaben existenzbedrohend.

Verlust des Arbeitsplatzes

Bei schweren oder langwierigen Erkrankungen droht:

  • Arbeitsunfähigkeit
  • Verlust des Arbeitsplatzes
  • Übergang in prekäre Beschäftigung
  • dauerhafte Erwerbsminderung

Oft beginnt hier eine Spirale des sozialen Abstiegs.

Offizielle Armutsgrenzen

Nach OECD-Definition gilt als arm, wer weniger als 60 % des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. Für Alleinlebende in Deutschland bedeutet das 2022:

  • unter 15.000 € Jahresnettoeinkommen
  • etwa 1.650 € brutto pro Monat

Viele Menschen fallen durch Krankheit genau in diese Schwelle hinein.

3. Auswirkungen auf das Gesundheitssystem

Wenn Armut Krankheit erzeugt und Krankheit Armut verstärkt, entsteht ein Teufelskreis, der das gesamte System belastet.

Der Staat muss jedes Jahr mehr Steuergelder zuschießen, um die Versorgung aufrechtzuerhalten. 2023 waren es 16,5 Milliarden Euro – Tendenz steigend.

Diese Kostenexplosion zeigt: Das System reagiert auf Krankheit, statt Gesundheit zu ermöglichen.

Unser Projekt entwickelt Modelle, die diesen Kreislauf strukturell durchbrechen.

Was wir tun

Unser Projekt Armut & Krankheit verbindet Wissenschaft, Praxis und Systemarchitektur.

1. Gesundheitsbildung für Kinder und Jugendliche

Programme wie Zirkus Empathico stärken Resilienz, Selbstregulation und Gesundheitskompetenz – besonders in belasteten Lebenswelten.

2. Präventionsstrukturen in sozialen Räumen

Wir entwickeln Modelle, die in Kitas, Schulen, Vereinen und Quartieren verankert werden können.

3. Forschung & Analysen

Gemeinsam mit Prof. Dr. Walter Krämer (TU Dortmund) untersuchen wir:

    • die Auswirkungen von Armut auf das Gesundheitssystem
    • internationale Modelle solidarischer Gesundheitsfinanzierung
    • die Machbarkeit alternativer Systeme für Deutschland

4. Systemische Empfehlungen

Wir bereiten Erkenntnisse so auf, dass Kommunen, Politik und Institutionen sie nutzen können.

Wie dieses Projekt wirkt

Durch unsere Arbeit entstehen:

  • bessere Chancen für Kinder in belasteten Lebenswelten
  • niedrigschwellige Präventionsstrukturen
  • Entlastung für Familien
  • weniger Krankheitsrisiken durch bessere Gesundheitskompetenz
  • langfristige Entlastung des Gesundheitssystems
  • wissenschaftlich fundierte Modelle für ein solidarischeres Gesundheitssystem

Wir stärken das Solidarprinzip – nicht abstrakt, sondern konkret im Alltag.

Verbindung zum Leitbild „Der gesunde Mensch“

Das Projekt stärkt alle vier Säulen:

  • Immunsystem
  • Salutogenese
  • Resilienz
  • Prävention

Gesundheit wird zur gestaltbaren Ressource – auch für Menschen mit wenig Ressourcen.

Warum Ihre Unterstützung hier besonders viel bewirkt

Ihre Spende ermöglicht:

  • Resilienzprogramme für Kinder
  • Gesundheitsbildung in Kitas und Schulen
  • Präventionsstrukturen in sozialen Räumen
  • wissenschaftliche Analysen und Modellprojekte
  • Empfehlungen für ein solidarischeres Gesundheitssystem

Sie helfen nicht nur einzelnen Menschen –

Sie durchbrechen den Kreislauf von Armut und Krankheit.