Armut macht krank und Krankheit macht arm

Armut belastet das deutsche Gesundheitssystem sehr stark. Betroffenen wird eine Basisversorgung im Krankheitsfall gewährt, jedoch ohne, dass Beitragseinnahmen den Kosten gegenüberstehen. Die Finanzierung trifft den Solidarfonds der Krankenkassen und dieser muss immer mehr staatlich in Milliardenhöhe bezuschusst werden und auch zusätzlich wegen dem demographischen Wandel. Unser Ziel ist insbesondere die Stärkung des Solidarprinzips im Gesundheitswesen zu fördern und Studien zur Machbarkeit von Alternativen zu prüfen.

Die Schere zwischen arm und reich geht immer weiter auseinander. Armut ist auch in Deutschland in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Armut kann ein Grund für die Entwicklung von Krankheiten sein und belastet daher das Gesundheitswesen.

Wie können wir gegensteuern?

Fangen wir bei unseren Kindern an.

Sind Kinder von Armut betroffen, ist es besonders wichtig, Ihnen die Bedeutung von gesundheitsförderndem Verhalten beizubringen, da Ihnen eventuell in der Familie nicht vorgelebt wird. Häufig ist es schwierig die Eltern zu erreichen, da aufgrund der großen finanziellen Sorgen das Interesse für die eigene Gesundheit in den Hintergrund rücken kann. In Kita und Schule können Kinder unterstützt werden durch eine Resilienz- und Gesundheitsberatung, ein eigenes Bewusstsein für gesundheitsbezogene Verhaltensmuster zu entwickeln. Leider wird dies von den Krankenkassen so nicht geleistet und gefördert.

Die finanzielle staatliche Unterstützung an die Familien ist richtig, wird aber die Situation nicht grundlegend ändern.

Das Solidarprinzip des Gesundheitswesens muss weiter ausgebaut werden. Die Versicherungsmöglichkeiten mit erhöhten Beiträgen bei Privatversicherungen oder privater Zusatzschutz bei der gesetzlichen Versicherung führen zur Auflösung dieses Prinzips. Die Stärkung der sozialen Gerechtigkeit und ein anderes Gesundheitssystem müssen eingeführt werden.

Docstogether möchte hierzu andere Gesundheitssysteme analysieren und die Umsetzbarkeit für Deutschland prüfen.

Wir werden hier von Herrn von Prof. Dr. Walter Krämer,

Technische Universität Dortmund unterstützt.

Auswirkungen der Armut auf das Gesundheitswesen.

Hier mehr lesen.

Armut kann viele negative Folgen für die Gesundheit der Menschen haben. Es gibt verschiedene Gründe, warum Armut krank macht, zum Beispiel:

 

Diese Faktoren wirken sich auf die Gesundheit der Menschen aus, indem sie das Risiko für verschiedene chronische Erkrankungen erhöhen, wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, chronische Bronchitis und bestimmte Krebsarten. Diese Erkrankungen können wiederum die Lebensqualität und die Lebenserwartung der Menschen verringern. Laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts liegt die Lebenserwartung von Frauen aus der Armutsrisikogruppe acht Jahre unter der von Frauen mit höheren Einkommen. Bei Männern beträgt die Differenz sogar elf Jahre.

Armut macht also krank, aber Krankheit kann auch arm machen.

Viele Medikamente müssen aus eigener Tasche bezahlt werden, genauso Zuzahlungen für Krankenhausaufenthalte und ärztliche Behandlungen. Zudem droht bei sehr langwierigen und schweren Erkrankungen der Verlust des Arbeitsplatzes – oft der Beginn einer Spirale des sozialen Abstiegs. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, ist es wichtig, sowohl die Armut als auch die Gesundheitsprobleme anzugehen.

Nach der von der OECD festgelegten Armutsquote, gelten Menschen in der EU als arm, wenn sie weniger als 60% des mittleren bedarfsgewichtigen Einkommens zur Verfügung haben.  Das bedeutet für Alleinlebende in Deutschland 2022 ein Jahresnettoeinkommen von weniger als 15.000 Euro, wie das Statistische Bundesamt in einer Statistik  veröffentlichte. Das ergibt bei Steuerklasse eins ein Bruttomonatsgehalt von circa 1.650 Euro.

Der Staat muss jährlich immer mehr Steuergelder dem Gesundheitssystem zur Verfügung stellen. Im Jahr 2023 waren es 16,5 Milliarden Euro aus Steuergeldern. Dieser Turbo der Kostenexplosion kann durch ein alternatives Gesundheitssystem durchbrochen werden. Wir wollen hier tätig werden.